Buch

Ingrid Pohl

Buch: Tove Ditlevsen: Die Kopenhagen Trilogie

Empfohlen von: Ingrid Pohl

Die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen wurde 1917 geboren und starb 1976 an einer Überdosis Schlaftabletten. Dazwischen Lebensjahre voller Armut, mangelnder Geborgenheit, Selbstzweifel, Schwangerschaftsabbrüchen, gescheiterten Ehen, Sucht, Entzug, depressiver Psychosen und Selbstmordgedanken. Aufgewachsen im Kopenhagener Arbeitermilieu verließ Tove Ditlevsen mit 14 Jahren die Schule, mit 17 Jahren ihr Elternhaus und schlug sich durch als Dienstmädchen und Bürogehilfin. Zu dieser Zeit schrieb sie bereits Lyrik, hatte 1939 ihren Durchbruch als Dichterin.  In ihren späteren autobiographischen Romanen Kindheit / Jugend / Abhängigkeit, die der Aufbau Verlag dieses Jahr in Deutsch herausbrachte, beschreibt sie ihr schwieriges, sich für sie meist fremd anfühlendes Schicksal. Schonungslos. Offen. In ständiger Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen, mit ihrer Identität und dem Beharren, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen leben zu wollen. Das Schreiben war schon seit Kindheit ihre einzigmögliche Überlebensstrategie. Hautnah erleben wir ihre schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, ihre Doppelrolle als EheHausfrauMutter und Schriftstellerin, ihre stete Unrast und Wurzellosigkeit, ihre seelische Zerrissenheit. Indem sie so reflektiert schreibt, wie sie schreibt, liefert sie sich uns – den Leser*innen – schonungslos aus. Mit Poesie und großer Kraft! Und sehr modern für die Zeitspanne, in der die (durchaus frauenemanzipatorische) Trilogie geschrieben wurde. Tolle Covergestaltung! …Unbedingt lesen!

„Wie alle Erwachsenen kann sie (die Mutter) es nicht ausstehen, wenn Kinder Fragen stellen, und gibt nur kurze Antworten. Wohin man sich auch wendet, ständig stößt man dabei gegen seine Kindheit und tut sich weh, weil sie kantig und hart ist und erst aufhört, wenn sie einen vollkommen zerrissen hat.“ (Aus: Kindheit S. 35)