Buch

Susanne Krickl

Buch: Hanya Yanagihara: Das Volk der Bäume

Empfohlen von: Susanne Krickl

Wie betrachtet man eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt?
Der junge Arzt Norton Perina entdeckt auf einer Insel im Südpazifik Unglaubliches: ein Volk im tiefsten Dschungel, das unsterblich zu sein scheint. Das Geheimnis ihres langen Lebens findet sich schließlich in einer Schildkrötenart, die nur auf dieser Insel beheimatet ist. Perinas Forschungen machen ihn weltberühmt, bescheren ihm einen Nobelpreis – doch gleichzeitig setzen sie der Insel in ihrer ursprünglichen Form ein Ende. Es folgen Kolonisierung und Zerstörung. Damit jedoch nicht genug – Perina wird, nun bereits im hohen Alter, sexueller Missbrauch vorgeworfen. Alles Lüge oder abgründige Wahrheit?

In „Das Volk der Bäume“ werden die Ereignisse der Haupthandlung vom Protagonisten Norton Perina selbst geschildert, der im hohen Alter auf sein Leben zurückblickt. Es ist eine sehr subjektive Sicht der Dinge, was sich dem Leser nach und nach immer mehr erschließt, denn Perina ist ein sogenannter „unreliable narrator“, also ein Erzähler, auf den man sich nicht verlassen kann. Wenn man sich dessen bewusst ist, betrachtet man die Haupthandlung auch mit anderen Augen.

Wie bereits das verdient hochgelobte „Ein wenig Leben“ ist auch „Das Volk der Bäume“ ein Leseerlebnis, das noch lange mit einem verweilt.