Buch

Ingrid Pohl

Buch: Nele Pollatschek: Das Unglück anderer Leute

Empfohlen von: Ingrid Pohl

Das Unglück anderer Leute ist der Debutroman der 1988 in Ost-Berlin geborenen Autorin, die Englische Literatur und Philosophie in Heidelberg, Cambridge und Oxford studiert hat. Mittlerweile arbeitet sie als Dozentin und promoviert über das Problem des Bösen in der Literatur. Kein Wunder also, dass sie in ihrem Erstlingswerk den Scherbenhaufen einer Patchwork-Familie ins Visier nimmt, und zwar ins grotesk satirische. Mit folgender Grundkonstellation:

Protagonistin: die 25-jährige Thene, die im Odenwald mit ihrem Freund ihren Traum lebt und parallel ihren Master in Oxford macht; der kleine, geliebte Halbbruder: ein verstörter Zauberkünstler und begnadeter Kenner von Statistik und Wahrscheinlichkeit; die kleine Halbschwester: ein jammerndes Nervenwrack; der Vater: eigentlich die bessere Mutter, dann für fünf Jahre verschollen, um als Homosexueller mit seinem neuen Partner in den Dunstkreis der Familie zurückzukehren. Stiefväter: etliche, vor allem der jüdisch-orthodoxe Menachem. Höhepunkt ist die Mutter: eine 50-jährige Egomanin, selbstidealisierte Weltretterin, hochmanipulativ, die ohne Unterlass für verletzte Gefühle und herzlose Gehässigkeiten sorgt. Selbst ihren Unfalltod während der familiären Reise nach Oxford zur Absolventenfeier ihrer Tochter nutzt die „Rabenmutter“ für ihren Geltungsdrang….

Eine wunderbar turbulente und skurrile Tragikomödie, die die sehr talentierte Pollatschek da abgeliefert hat.
Meine zwei Lieblingszitate aus „Das Unglück anderer Leute“:
„…Was das Verhältnis zu meiner Mutter anging, war ich Marxist. Das heißt, ich wusste, dass die materiellen Verhältnisse die ideellen Verhältnisse schaffen…“

„…In meiner Familie nahm es mit der Wahrheit sowieso niemand so genau. Vor allem nicht, wenn sie einer guten Geschichte im Weg stand. Anders gesagt, jeder auf seine Weise waren wir Lügner…“
Viel Spaß beim Lesen!