Buch

Ute Kapuschinski

Buch: Jutta Weber: Rastavati – Wie ich meine jamaikanischen Wurzeln fand

Empfohlen von: Ute Kapuschinski

Sommer 1963: Helga,21, ist schwanger und hat keine Ahnung, wer der Vater ist. Zur Welt kommt ein Mädchen mit dunkler Haut und krausem Haar, und Helga grübelt: War es der jamaikanische Saxofonist? Oder der indonesische Barkeeper? Egal. Jutta Weber, das „erste Mulattenmädchen der Stadt“, wächst behütet mit einem gutmeinenden Stiefvater und ihrer Mutter in spießig-geordneten Verhältnissen auf. Den leiblichen Vater – es war dann doch der Jamaicaner, von dem die Mutter nur den Vornamen kennt – vermisst sie kaum, nennt sie doch Hans „Papa“. Und der warnt sie vor der ach so fremden Kultur der Schwarzen.
Erst ihre eigenen Kinder, die begeistert Reggae hören und sich Jamaica, der Insel des unbekannten Großvaters verbunden fühlen, können Jutta mit knapp 50 dazu bewegen, sich auf die Suche nach ihrem Vater und ihrer „zweiten Hälfte“ zu machen.
So viel sei verraten: sie finden ihn dank moderner Technik und es gibt ein filmreifes Happy End mit karibischen Tanten und einem rauschenden Familienfest.
„Rastavati“ ist ein deutsches Frauenschicksal (von Helga), Aufarbeitung einer persönlichen Geschichte (von Jutta), aber auch ein treffend formuliertes Sittengemälde einer wohlgefälligen, engstirnigen Gesellschaft zugleich. Feinfühlig und charmant geschrieben und sehr lesenswert.