Buch

Ingrid Pohl

Buch: Lawrence Osborne: Denen man vergibt

Empfohlen von: Ingrid Pohl

Einladung zu einer extravaganten Wochenend-Party eines sehr betuchten Schwulen-Paares – mitten in der Wüste Marokkos. Nur widerstrebend macht sich das schon lang verheiratete britische Ehepaar David und Jo auf den Weg zu diesem legendären Event ihrer „alten“ Freunde. Auf der nächtlichen – nicht nur vom Sandsturm, sondern auch vom Alkohol getrübten – Fahrt dorthin, kommt es wie so oft zum Streit. Plötzlich taucht eine Gestalt auf der Schotterstraße auf, wird vom Auto erfasst – und ist tot.

Unterdessen sind die Reichen und Schönen aus ganz Europa und den USA in der opulenten, paradiesischen Oase Ksar Azna des Gastgeberpaares eingetroffen, in der zahlreiche marokkanische Bedienstete den verwöhnten Gästen zu Diensten sind. Nicht nur für Champagner, auch für Kokain und Joints ist reichlich gesorgt, die Stimmung auf dem Höhepunkt, als die verzweifelten Briten auftauchen – mit der Leiche des jungen Fossilienverkäufers. Die Party droht abzustürzen, aber die herbeigerufene Polizei kann mit Bakschisch beschwichtigt werden, man feiert weiter. Doch David und auch Jo fühlen sich schuldig – in der Gewissheit, einen Menschen getötet zu haben, der vor ihr Auto gesprungen ist. Wollte er sie ausrauben? Was wollte er? Bald darauf nimmt der wütend-verzweifelte Vater samt marokkanischem MännerClan die Leiche seines Sohnes in Empfang, um ihn nach eigenem religiösen Habitus zuhause zu beerdigen und besteht auf Davids Begleitung. Der fürchtet die Rache des Patriarchen und der Einheimischen und damit um sein Leben. Jo bleibt allein auf der Party zurück – und kostet wider Erwarten die Vorzüge des Daseins ohne Ehemann aus – in jeder Beziehung. Eine Zukunft ohne David, der womöglich nie mehr aus den Fängen der „Furcht erregenden“ Marokkaner zurückkehrt, erscheint der frustrierten, überdrüssigen Ehefrau plötzlich wie eine Oase. Doch dann kommt alles anders….

Lawrence Osborne gelingt es, äußerst vielschichtig die Gefühle, (Selbst)Zweifel und Ängste seiner Protagonisten sicht- und fühlbar zu machen. Sogar die erbarmungslose Hitze brennt sich dem Leser in die Haut ebenso wie die Bilder einer grausam kargen Wüste und zugleich deren überwältigende Schönheit. Aufs Feinste ziseliert Osborne den Kulturclash der aufeinander treffenden beiden Welten – die koloniale Gier der reichen Weißen, die Flucht der Afrikaner von einem Kontinent ohne Perspektive.
Eine brillant geschriebene, sehr bildhaft geschilderte Geschichte! Man fühlt sich wie im Kino…..