Buch

Ingrid Pohl

Buch: Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer

Empfohlen von: Ingrid Pohl

Dieser erwähnenswerte Roman über die Liebe einer Israelin zu einem Palästinenser hat in Israel einen Skandal ausgelöst, wurde sogar von den Lektürelisten der Schulen gestrichen.Begründung des Erziehungsministeriums: Die Jugendlichen müssten „…vor der Gefahr der Assimilierung geschützt werden….Intime Beziehungen zwischen Juden und wir-sehen-uns-am-meerNicht-Juden bedrohen die getrennten Identitäten….“.
Weit weg von Israel entflammt in einem eiskalten Winter diese an sich unmögliche Liebe – nämlich in New York, nach den Anschlägen von 9/11. Die Israelin Liat arbeitet als Übersetzerin, der Palästinenser Chilmi lebt von seiner Kunst als Maler. Beide stehen für ihr jeweiliges Volk, beide streiten sich über die Ein-/ZweiStaaten-Lösung. Aber beide verbindet in der Ferne auch so Vieles: Das Heimweh, die Wärme, das mediterrane Licht. Ihre Herkunft trennt sie in New York nicht, sondern verbindet sie. Die Heimat scheint in der Ferne für sie beide dieselbe zu sein. Nur wenn’s ums Meer geht, tun sich (die real existierenden) Grenzen auf. Liat sehnt sich nach ihrem Strand, Chilmi kann nicht schwimmen. Wie auch? Von Ramallah aus kommt man nicht ans Meer, das verhindert die israelische Besatzung mit ihren Mauern und Checkpoints.
Als Liat zurück nach Israel geht, wollen sich die beiden – in der Hoffnung auf ein Ende des Nahost-Konflikts – irgendwann mal am Meer sehen. In seiner Sehnsucht und Ungeduld gelingt Chilmi ein gefährlicher Ausflug an Liats Sehnsuchtsstrand in Jaffa.

„Wir sehen uns am Meer“ ist eine bittere Metapher für eine Liebe, die unter den gegebenen Umständen wahrhaft nicht überleben kann. Eine von der Autorin Rabinyan selbst gemachte, – den Leser sehr berührende – Erfahrung….