Buch

Ingrid Pohl

Buch: Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes

Empfohlen von: Ingrid Pohl

Der Autor Michael Kumpfmüller ist einigen von uns bereits bekannt durch „Die Herrlichkeit des Lebens“, einen Roman über Dora Diamant, die letzte Liebe Franz Kafkas.  Mit seinem aktuellen Werk „Die Erziehung des Mannes“ ist Kumpfmüller, der meist über politisch relevante Themen schreibt, zurückgekehrt in die Gegenwart und behandeltDie Erziehung des Mannesein stets aktuelles Thema – die Männlichkeit der Männer. Über Georg, Musikwissenschaftsstudent und angehendem Komponist, erleben wir den modernen Mann, der viele Rollen beherrschen muss, sich ständig übt in unglücklichem Scheitern und glücklichen Gelingen. Mitte zwanzig lernt Georg seine zukünftige Ehefrau kennen, Mutter seiner 3 Kinder – eine der Frauen, die ihn fürs weitere Leben prägen wird. Die Ehe scheitert. Georg sucht nach Gründen und erkennt seine eigene Indifferenz. Die Frauen zeigen, wo es langgeht, und Georg geht mit. Natürlich spielt auch der Vater eine Rolle, ein Patriarch par exellence, der seine Familie mit diversen Affären ruiniert hat. Georg will es besser machen, wagt sich unter durchaus unterhaltsamen Selbstreflexionen in eine neue Liebe.
Wie Kumpfmüller von der Dämmerung des Patriarchats erzählt – präzise, unangestrengt und sachlich, mit eindringlichen Rückblicken auf Kindheit und Jugend des Mannes – gefällt mir gut. Gelegentlich fehlt mir eine weitere Perspektive, z.B. die der Exfrau. Trotzdem finde ich diese generationsübergreifende Biografie dieses glaubwürdigen Stellvertreters seines Geschlechts wirklich gelungen.