Buch

Ute Kapuschinski

Buch: Hassan Ali Djan: Afghanistan. München. Ich.

Empfohlen von: Ute Kapuschinski

Literarisch mag Erpenbecks „gehen – ging – gegangen“ wertvoller sein, aber nach einem Drittel habe ich das Buch auf die Seite gelegt und die wesentlich glaubwürdigere, spannendere, authentischere Biographie von Hassan Ali Djan verschlungen.

Der 11jährige Hassan ist nach dem frühen Tod des Vaters für Mutter und Geschwister verantwortlich. Medientipp_Afghanistan - München - IchUnd er nimmt seine Aufgabe sehr ernst, wird als Hirte ausgebeutet, arbeitet auf Baustellen im Iran und landet nach einer lebensgefährlichen Flucht in Schlauchboot und LKW-Reifen schließlich in München. Er kann die Sprache nicht, kann nicht einmal die Schriftzeichen lesen, geschweige denn Mathe oder Englisch. Mit eisernem Willen und dank der Unterstützung wohlgesonnener Münchner schafft er nach hartem Kampf eine Lehre und wird sogar vom Chef übernommen.

Eigentlich eine tolle Geschichte mit Happy End; es ist aber auch die Geschichte der anderen, die am Warten verzweifeln, die entmündigt, dank Residenzpflicht festgesetzt und ohne Arbeit und Aufgabe an ihrem Schicksal zerbrechen – obwohl sie (oder weil sie?) es nach Europa geschafft haben. Und es ist die Geschichte davon, wie nah Glück und Pech, Paradies und Katastrophe beieinander liegen.