Buch

Ingrid Pohl

Buch: Angelika Overath: Sie dreht sich um

Empfohlen von: Ingrid Pohl

Ein gemeinsam genossener Konzertabend nimmt ein nüchternes Ende. „Sie wünscht sich ein Kind von mir.“ overathAnna, die betrogene Ehefrau, dreht sich um, kehrt ihrem bisherigen Leben den Rücken und macht sich auf eine Reise zu sich selbst.
Angelika Overaths jüngster Roman erzählt – oft in kühler Sachlichkeit, aber nie ohne Empathie – von einer Mittfünfzigerin, die vom Leben ausgesetzt worden ist. Überstürzt reist Anna von München nach Edinburgh und gerät in der Schottischen Nationalgalerie an ein Bild von Paul Gauguin, auf dem eine Versammlung bretonischer Frauen vorwiegend von hinten zu sehen ist. Auf der Suche nach neuen Impulsen beginnt Anna mit dem Bild, mit einer der Frauen zu reden – und erfährt über deren Leben. Angeregt sucht Anna nun weiterhin die Nähe von Bildern, reist vier Wochen lang durch die Welt, durch Museen, durch Jahrhunderte. Um über das Gespräch mit den gemalten Frauen – die sich zu ihr umdrehen – andere Lebensentwürfe kennenzulernen. Möglichkeiten, „von nun an ganz anders zu leben.“ An ihren Ehemann denkt sie kaum. Gelegentlich blitzt gemeinsam Erlebtes auf. Der Mann reist ihr nach. In Dänemark – dort, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen, ineinanderfließen kommt es zur Wiederbegegnung. Das Ende bleibt offen, alles ist möglich. Weil Anna ihren Blick geschärft und u.a. erkannt hat, „Wir haben nicht auf uns aufgepasst“. Weil sie ein neues Bild von sich entwerfen wird.
Kein herkömmlicher Eheroman, in dem mögliche Trennungsgründe gegeneinander aufgerechnet werden, sondern ein ungewöhnlicher Roman für Frau und Mann, die sich gerne neu erfinden. Die es nicht versäumen wollen, aus dem „Rahmen“ ihrer Beziehung herauszutreten, um sich und einander immer wieder neu anzuschauen.