Buch

Waltraud Leitmeier

Buch: John Kenneth Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation

Empfohlen von: Waltraud Leitmeier

Seit im September 2008 die Finanzkrise unser Wirtschaftssystem erschüttert hat, löst eine alarmierende Nachricht die andere ab. Die Nationalstaaten sind hoch verschuldet, die kommende Generation blickt sorgenvoll in die Zukunft.

Eine neue Situation in der Wirtschaftsgeschichte? Mitnichten, sagt einer der einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, John Kenneth Galbraith. Denn Spekulationen hat es in den letzten 300 Jahren immer schon gegeben, angefangen mit dem Tulpenschwindel 1636/37 über den Südsee-Schwindel in Paris, dem Börsenkrach 1929 und dem Oktobercrash 1986.

Galbraith arbeitet die Merkmale einer Spekulation heraus, durch die ein beliebiges Produkt  scheinbar neu und erstrebenswert  den wirtschaftlichen Verstand außer Kraft setzt. Der Preis für das Objekt steigt, das lockt weitere Käufer an, die Spekulation entwickelt eine Eigendynamik. Dieser Prozess ist, nachdem man ihn einmal durchschaut hat, eindeutig, besonders natürlich im Nachhinein. Der unvermeidliche, katastrophale Zusammenbruch erfolgt, Menschen werden mittellos, Staaten wanken.

Für Galbraith ist eine Spekulationswelle ein dem Markt immanenter Vorgang. Einzig wirksames Gegenmittel ist eine erhöhte Skepsis gegenüber aufgeheizten Stimmungen um ein Investitionsprojekt und eine kritische Analyse der These, dass Geld und Intelligenz in jedem Fall zusammengehen müssen.

Ein schmales, erhellendes Bändchen mit einem Vorwort von Uwe Jean Heuser, Leiter des Wirtschaftsressorts der „Zeit“, der fachkundig in das Thema einführt.