Buch

Waltraud Leitmeier

Buch: Ian Kershaw: Wendepunkte – Schicksalsentscheidungen im 2. Weltkrieg

Empfohlen von: Waltraud Leitmeier

In der Literatur zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs nimmt Kershaws Buch eine Sonderstellung ein: er untersucht explizit die Zeit von Mai 1940 bis Dezember 1941.Das übersichtlich gegliederte Buch beschreibt in 10 Kapiteln schicksalshafte Entscheidungen der politischen Führer, geht ausführlich auf die innen- und außenpolitische Situation der beteiligten Länder ein und analysiert die gemeinsamen und gegensätzlichen Interessen der Achsenmächte und der Alliierten. Dass die hier untersuchten Entscheidungen so ausfielen, war weder vorbestimmt noch zwangsläufig. Aber es spiegelt die Art des politischen Systems wider, in dem diese Entscheidungen getroffen wurden.
In den Staaten der Achsenmächte mit faschistisch-autoritären, auf Personenkult zugeschnittenen Systemen wurden die katastrophalsten Entscheidungen getroffen, die öffentliche Meinung war durch Propaganda und Indoktrination geprägt. In den demokratischen Systemen hatte der amerikanische Präsident Roosevelt den größeren Handlungsspielraum, Churchill musste sich in allen Entscheidungen mit seinem Kriegskabinett abstimmen. Die Entscheidungen wurden aber natürlich nicht nur durch die Persönlichkeiten von Hitler, Mussolini, Stalin, Churchill, Roosevelt, den japanischen Ministerpräsidenten Konoe/Tojo und ihren Beratern geprägt, auch das Wirtschaftspotential des Landes, die Reaktionen der Gegner, die Auswertung der Geheimdienstinformationen und die von der Bürokratie vorbestimmten Entscheidungen hatten einen entscheidenden Einfluss auf den Kriegsverlauf.

Ein erhellendes, verständlich geschriebenes Buch, das sehr klar die Zusammenhänge zwischen den Schicksalsentscheidungen der Jahre 1940/1941 darstellt.