Buch

Waltraud Leitmeier

Buch: Thomas Bernhard: Meine Preise

Empfohlen von: Waltraud Leitmeier

Amüsant, böse, scharfsinnig: im Nachlass Thomas Bernhards fand sich ein Typoskript, in dem der österreichische Schriftsteller seine Erlebnisse bei der Verleihung diverser Literaturpreise verarbeitet hat. Ganz wohl ist ihm nie in seiner Rolle als Preisempfänger, obwohl es so renommierte Preise wie der Büchner-Preis oder der österreichische Staatspreis für Literatur sind, die er empfangen soll. Allein bei der Verleihung des Literaturpreises der Bundeswirtschaftskammer fühlt er sich wohl, hat er doch als Kaufmannslehrling genau vor dieser Kammer seine Gesellenprüfung abgelegt, und das auch noch sehr erfolgreich. Aber die anderen Preise! Mal passen die Städte nicht, in denen die Verleihung stattfindet, mal muss er sich in einen Anzug pressen (was er hasst), dann wieder haben die Laudatoren nun wirklich gar keine Ahnung von Literatur und verwechseln schon mal die Namen der Preisträger. Genervt ist er allemal, und das drückt sich dann auch in seinen Dankesreden aus, die am Ende des Buches abgedruckt wurden und fast immer für einen Skandal sorgten. Das einzig Positive, das Thomas Bernhard diesen Veranstaltungen abgewinnen kann, ist das Preisgeld, das ihm zwar grundsätzlich zu wenig erscheint, ja geradezu lächerlich kleinlich, das aber doch für so manche schöne Anschaffung verwendet werden kann, an der er sich dann doch erfreut.

Für den Leser ist das sorgfältig herausgegebene Buch mit einer editorischen Notiz des Herausgebers Raimund Fellinger ein reines Lesevergnügen mit einem erhellenden Einblick in den deutschen und österreichischen Literaturbetrieb.