Buch

Daniela Raif

Buch: Andrea Levy: Eine englische Art von Glück

Empfohlen von: Daniela Raif

Andrea Levy ist Tochter jamaikanischer Einwanderer und lebt in London. In ihrem zu Recht hochgelobten Roman „Eine englische Art von Glück“ beschreibt sie ein unbekanntes Stück Geschichte des 20. Jahrhunderts aus einer ganz anderen Sicht. Gilbert, ein Jamaikaner, der freiwillig in der Britischen Armee diente, versucht nach dem Krieg im gelobten „Mother Country“ Fuß zu fassen. Hortense, ebenfalls Jamaikanerin, jung, gebildet, mit hochstrebenden Plänen, ergreift die Chance, heiratet ihn, obwohl sie ihn weder richtig kennt noch liebt, denn nur als verheiratete Frau hat sie die Chance nach England, ins Land ihrer Träume, zu gelangen. Als absolute Exoten im grauen, ärmlichen Nachkriegsengland, landen Hortense und Gilbert hart in der Realität. Nicht nur ist das Leben hier alles andere als luxuriös – teilweise ist es sogar schäbiger als zu Hause -, die beiden haben auch mit unverhohlenem Rassismus und unsäglichen Vorurteilen zu kämpfen.
Auch Queenie, die englische Zimmerwirtin der beiden, erzählt ihre Geschichte. Ihr Mann Bernhard gilt als vermisst und ist immer noch nicht aus Indien zurückgekehrt. Die junge Ehefrau schlägt sich allein durchs Leben, indem sie Zimmer vermietet, sehr zum Missfallen der Nachbarn auch an Farbige und Huren. Und auch ihr Mann Bernhard kommt zu Wort, der als softer Middle-Class-Bankangestellter während seines Kriegseinsatzes ganz neue Erfahrungen macht.

Andrea Levy ist eine Meisterin ihres Faches. Ihre Schreibweise ist farbenfroh und lebensnah. Aber vor allem gelingt es ihr trotz der Ernsthaftigkeit des Themas einen satirischen Blick auf die Zustände zu bewahren und unheimlich komisch zu erzählen.